Quo vadis Europa?

Die europäische Union hat einen Stern verloren, einzelne Mitgliedsstaaten wittern Morgenluft.

Mit dem sehr fundierten Aufsatz von unserem Freund Ralf-Rüdiger Engelhardt zum gerade vollendeten Brexit könnten wir eine ausführliche Diskussionsrunde zum Thema EU und die Zukunft Europas beginnen.

Der Austritt Großbritanniens wird die derzeitigen Netto-Leistungsbringer in große Schwierigkeiten bringen. Mit dem vollendeten Austritt werden die Staaten der sogenannten Südschiene alles daran setzen, den Norden zahlen zu lassen, um sich die notwendigen aber unbequemen Reformen zu ersparen. Ähnliches ist leider auch von unseren östlichen Nachbarn zu befürchten.

Falls sich Frankreich, und davon ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auszugehen, zum Wortführer der Südstaaten aufschwingt, werden die notwendigen Reformen der EU, von deren Gelingen die Zukunft Europas abhängt, ausbleiben.

Von den jetzigen Mehrheitspolitikern in Deutschland ist nichts Gutes zu erwarten. Hat doch gerade Draghi zur Belohnung der milliardenschweren Plünderung der deutschen Sparer vom derzeitigen Bundespräsidenten das große Bundesverdienstkreuz bekommen.

Wenn dieses Deutschland in der zweiten Jahreshälfte turnusgemäß die Führung der EU übernimmt, wird das Gespann Merkel und von der Leyen – entgegen ihren Beteuerungen – skrupellos die Interessen der deutschen Landsleute ihren persönlichen Interessen opfern. Die Deutschen sollten unbedingt ihre Naivität in Sachen dieses Europas aufgeben!

Wenn der französische Präsident Europa sagt, meint er in französischer Tradition nur zu oft Frankreich. Auch ein Wechsel in der Präsidentschaft würde mit Sicherheit keinen Sinneswandel bringen.

Zu „America first“ und „United Kingdom first“ wird dann noch „La France d`abord“ kommen.
Für Deutschland ist es weniger als 5 Minuten vor Zwölf, falls es noch in einem veränderten Europa eine andere Chance als Zahlmeister der EU haben will.

Niemand will ernsthaft wieder ein zersplittertes Europa des 20. Jahrhunderts. Es gilt aber, den europäischen Superstaat zu verhindern, in dem die unterschiedlichen europäischen Identitäten durch einen gesichtslosen Staat, geführt von weitgehend anonymen Eurokraten, ersetzt werden. Stattdessen sollte man als Mitglied der EU notfalls mit Sturheit und Blockade das alte Konzept der europäischen Gründerväter als Blaupause heranziehen. Wir sollten zum Europa der Vaterländer zurückkommen, in dem unter Achtung der Souveränität der Mitgliedsstaaten eine Sicherheits-, Beistands-, Zoll- und Steuerunion gegenüber Drittstaaten vereinbart wird.

Fantasien über einen ungeordneten Dexit sind genau wie die zum ungeordneten Brexit ein großer und teurer Irrtum und wären auch für jeden einzelnen der souveränen Mitgliedsstaaten verheerend. Mit einem einheitlichen Zoll- und Steuerabkommen würde der äußerst unsolidarische Wettbewerb um legale Steuerhinterzieher und durch europäische Mittel geförderte Industrieumsiedlungen aufhören. Das derzeit ruinöse Währungssystem müsste auf einige Jahre durch ein nationales Währungssystem wieder ersetzt werden, damit die Einzelstaaten freie Hand haben, ihre Währung dem jeweiligen Leistungsvermögen anzupassen. Dann, aber auch erst dann, wäre zum Wohle aller Bürger in einer europäischen Föderation eine schrittweise Anpassung zu einem einheitlichen Sozialsystem möglich.

Es wäre eine tolle Sache, wenn in unserer AfD eine offene Diskussion zustande käme. Einfach nur die EU ablehnen und nur das Negative ständig zu wiederholen, erleichtert nur das Agieren unserer politischen Gegner zum Schaden Deutschlands.
Wir wollen doch innerhalb der AfD ein Europa der Vaterländer in enger freundschaftlicher Nachbarschaft und Zusammenarbeit. Vielleicht ist es sogar vorstellbar, mit neuen Lösungen die Wähler für unsere Ideen zu begeistern und dazu beizutragen, dass ein neugestaltetes Europa in der Welt eine eigenständige Zukunft haben wird.

Zu der wirklichkeitsfernen geheuchelten europäischen Solidarität noch ein weiteres Beispiel. Bereits heute gilt die Stimme des deutschen Wählers zum Europaparlament am wenigsten. Dies wird nun noch getoppt, weil die Sitze der britischen Europaabgeordneten bevorzugt auf Frankreich und Italien verteilt werden und Deutschland völlig leer ausgeht… Zumindest müsste sich die nun verkleinerte EU auch in der Anzahl seiner Parlamentarier widerspiegeln.

Paul Mohr
AfD OV Altkreis Melsungen

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